20Februar

Studentenjob: Gründen

Benjamin Roos Karriere-News

Soll ich neben oder nach dem Studium selbst was gründen? Diese Frage stellt sich vielleicht der ein oder andere von euch. Daher werden wir in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder den ein oder anderen jungen Gründer, den wir so kennenlernen interviewen. Vielleicht finden sich ja Anregungen für euch. Heute auf der Karte:

Hallo Hans, hallo Tim, Ihr seid die Gründer von UNIDOG.DE – Mitschriften von Studis für Studis. Auf Eurer Plattform kann ich als Student für andere Studenten Lernhilfen wie Mitschriften und Zusammenfassungen publizieren und damit Geld verdienen…

Wann und wie seid ihr auf die Idee gekommen euch selbstständig zu machen?
Hans: Na ja, wir haben ja zunächst als so genannte Freelancer gearbeitet. Tim als freier Software-Entwickler und ich als freier studentischer Unternehmensberater. Die Selbstständigkeit an sich ist nicht so kompliziert, wie sich das manche Menschen vorstellen. Man geht zum Gewerbeamt, zahlt 20 € – fertig. Einmal im Jahr gibt’s dann ne Einnahme-Überschuss-Rechnung fürs Finanzamt – wenn man will noch Umsatzsteuervoranmeldungen. Letzteres lohnt sich aber nur, wenn man Investitionen tätigen muss (das ganze wird natürlich komplizierter, wenn man richtig gut verdient, aber die meisten sind ja zunächst Kleingewerbetreibende).
Tim: Weitaus komplexer ist es schon, ein richtiges Start-up mit eigener Wertschöpfungskette und Mitarbeitern aufzuziehen. Da arbeiten wir noch dran…
Wie kamt ihr zu der UNIDOG-Idee?
Hans: Die UNIDOG-Idee – einer schreibt mit – alle profitieren – hatten wir unabhängig voneinander. Ich hab an der WiSo-Fakultät der Uni Köln studiert. Da ist das Gang und Gebe, dass ein Student für alle anderen mitschreibt. Und derjenige kriegt für die Mitschrift auch ein faires Honorar zwischen 250 und 550 Euro, das über die Nutzungsgebühren der anderen bezahlt wird. Ich hab mich einfach nur gefragt, warum gibt es so einen Service nur an meiner Fakultät und warum verdammt noch mal nicht an allen deutschen Unis?
Tim: Ich hab an der Fachhochschule Köln Wirtschaftsinformatik studiert. Die Fakultät für Informatik und Ingenieurwesen ist jedoch nicht in Köln selber, sondern in dem ca. 50 Kilometer von Köln entfernten Gummersbach ausgelagert. Viele Kommilitonen die nur zum Studieren sich eine Wohnung in Köln genommen haben, waren nicht gerade erfreut, dass sie jetzt jeden mindestens eine Stunde mit dem Zug nach Gummersbach fahren sollten.
Das Ergebnis war spätestens ab dem zweiten Semester zu sehen. Viele Kommilitonen aus Köln sprachen sich ab: Jede Woche kam ein anderer in die Vorlesung und schrieb für die daheim gebliebenen mit.
Zum Ende des Semesters kamen auch die nicht so gut organisierten Kommilitonen aus ihren Löchern und waren hektisch auf der Suche nach sämtlichen Unterlagen. Ich wurde selber auch häufig gefragt, ob man mal meinen Ordner ausleihen könnte. (Hin und wieder auch mit der Folge, dass man weder die Leute noch seinen Ordner je wieder sah.) Daraus ergab sich für mich die Idee hinter UNIDOG.
Und warum eigentlich der Name UNIDOG?
Tim: Es ist ein Wortspiel: Uni Dokument + Hund (Engl.: Dog), das ist unser Maskottchen, das die ganzen schönen Dokumente für unsere User zusammensucht.

Für eine Gründung braucht man Kapital. Wie finanziert sich Unidog?
Hans: UNIDOG ist für uns erst einmal ein funktionierendes Pilotprojekt, das sich aus unseren Ersparnissen und ersten kleinen Umsätzen finanziert. Die Plattform funktioniert bereits heute vollständig, genau so wie wir das dort beschreiben: Studenten können Dokumente publizieren, sich die passenden Mitschriften, Übungsaufgaben etc. heraussuchen und sich diese gegen Geld oder eigenes Tauschguthaben runterladen. Aber wenn wir das ganze wirklich groß aufziehen wollten, also insbesondere um UNIDOG an allen Unis bekanntmachen – dann bräuchten wir schon natürlich schon mehr Manpower oder z.B. noch mehr Professoren und Fachschaften, die uns aktiv unterstützen… Tipps dazu nehmen wir natürlich dankend entgegen. ☺
Was unterscheidet Unidog von Konkurrenten?
Tim: Welche Konkurrenten?? Nein, im Ernst. Ich denke, dass UNIDOG einfach die einzige faire Plattform zur Weitergabe von Lerndokumenten ist. Natürlich kann man überall im Internet irgendwelche Sachen hochladen und sich dazu oft auch ein schönes Profilchen anlegen. Das geht ja schon über Facebook oder über StudiVZ plus ICQ – aber wir organisieren das ganze so, dass die Studenten schnell die Unterlagen finden, die sie brauchen.
Hans: Und der echte Clou bei uns ist, dass die fleißigen studentischen Autoren, die Lerndokumente über UNIDOG.DE publizieren, finanziell entlohnt werden. Es ist wie digitale Nachhilfe. Wer gibt, kriegt auch etwas zurück. Nicht nur die anonyme Anerkennung einer Download-Statistik – sondern bares Geld für jeden Download der publizierten Dokumente – z.B. für den Download einer sorgfältig aufbereiteten Semester-Zusammenfassung.
Aber dennoch können UNIDOG-Mitglieder untereinander tauschen?
Hans: Ja, das fördern wir sogar. Wer irgendetwas Nützliches hoch lädt – also z.B. auch eine Seminararbeit, eine Ausarbeitung oder eine kleine Zusammenfassung – der kriegt sofort von uns einen Download-Gutschein geschenkt. Wir wollen ja, dass immer mehr Studis über uns publizieren. Auf diese Art und Weise sagen wir Dankeschön fürs Mitmachen – erst einmal unabhängig von der Zahl der mit dem jeweiligen Dokument erzielten Downloads.
Tim: Also mit anderen Worten: Jeder Student kann bei UNIDOG mitmachen, auch der, der patouu kein Geld übers Internet ausgeben möchte. Übrigens ist eine UNIDOG Mitgliedschaft ohne jegliche Verpflichtung und kann jederzeit beendet werden. Aber selbst wenn man keine Unterlagen für seine Uni findet, lohnt es sich an Bord zu bleiben! Denn wir arbeiten Tag und Nacht an neuen Features, um die Plattform noch nützlicher für alle zu machen.

Was würdet ihr machen wenn ihr nicht gegründet hättet?
Tim: Ich würde für eine mittelständische Unternehmensberatung IT-Systeme von Großunternehmen betreuen. UNIDOG ist aber so ne Art Steckenpferd von mir, das erste große Projekt, was ich komplett eigenständig programmiert hab.
Hans: Ich würde erst einmal ganz in Ruhe meine Diplomarbeit zu Ende bringen. ;-) . Auch zum Thema E-Learning. Und auch weiter für externe Auftraggeber arbeiten….UNIDOG bedeutet schon verdammt viele Überstunden. Aber: es ist auch unheimlich spannend und herausfordernd!

Gab es Momente in denen ihr den Schritt in die Selbstständigkeit bereut habt?
Hans: Jain, man wird hin und wieder von Studis, die nicht so einen Schritt gegangen sind, angesehen wie Außerirdische. Das ist wirklich schade. Weil wir sind wirklich ganz normale Leute, mit vielleicht etwas zu viel Ehrgeiz und Tatendrang.
Tim: Ich glaube der Titel einer deutschen Fernsehserie trifft es ganz gut: “GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN”. Manchmal möchte man alles hinschmeißen, wenn die Aufgaben sich türmen und man nur 3 Stunden geschlafen hat. An den meisten Tagen ist man einfach nur ein bisschen Stolz, es bereits so weit geschafft zu haben.

Ihr habt eine Million Euro was macht ihr damit?
Hans: Ganz viel schlafen und in der Sonne liegen. Und das ein oder andere ehrgeizige Projekt verwirklichen. ☺
Tim: Die Welt erkunden und an den Stränden (ja genau, die mit den weißen Sand und kristallklarem blauen Meer) Robinson Crusoe spielen. ☺

Und wie verbringt ihr einen schönen freien Tag?
Hans: Zusammen mit der Freundin den Tag genießen. Mal im Stadtwald joggen gehen, ins Schwimmbad oder in die Sauna.
Tim: Mittags aufwachen, lecker und gemütlich Frühstücken und dann den Nachmittag an schönen Plätzen spazieren gehen.

Danke für das Interview. An alle Studis da draußen: Rafft euch auf und gründet :)

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